Was ist ein System?

Die Sicht der Systemtheorie geht davon aus, dass alle Systeme bestimmte Eigenschaften besitzen, egal aus welchen Stoffen sie zusammengesetzt sind. Aber ist deswegen alles ein System? Nein, nicht jedes Ding der Realität ist System. Hier ist eine kleine Checkliste, die dabei hilft zu erkennen, ob das betrachtete Ding ein System ist:

1. Gibt es Teile?
2. Beeinflussen sich die Teile gegenseitig?
3. Ist es wichtig, wie die Teile angeordnet sind?
4. Ändert sich das Verhalten des Systems wenn ein Schlüsselelement entnommen wird?
5. Erzeugen alle Teile gemeinsam eine Wirkung, die anders ist als die jedes einzelnen Teils?

Hier wird zum Beispiel unmittelbar klar, dass Sportmannschaften, Arbeitsteams und Familien Systeme sind. Ein (funktionierendes) Smartphone ist ein System, aber ein Müllhaufen nicht, da hier nur Punkt 1. erfüllt ist. Das entscheidende Kriterium ist die gegenseitige Beeinflussung der Teile, die eine Wirkung erzeugt. In http://www.systems-thinking.org/systhink/systhink.htm definiert Gene Bellinger Systeme in der folgenden Weise:

A system is an entity that maintains its existence
through the mutual interaction of its parts.

Diese Beschreibung ist meines Erachtens sehr gelungen, da sie auf die dynamische Natur von Systemen verweist: sie sind nicht einfach da, sondern erzeugen sich durch die Interaktionen ihrer Teile ständig selbst. Ohne diese permanente Interaktion gibt es kein System. Wenn die Mitarbeiter einer Firma zuhause sind, gibt es keine Firma, da niemand dieses System erzeugt, es gibt keine Interaktionen. Erst wenn sie am Montag morgen wieder auftauchen, „baut“ sich die Firma wieder zusammen. In heutiger Zeit, wo alle per eMail und am Wochenende verfügbar sind, kann man erkennen, dass sich hier etwas ändert.  Das System Firma existiert jetzt immer, da immer eine Interaktion zwischen den Teilnehmern und zwischen der Organisation und der Umwelt stattfinden kann (z.B. werden Bestellungen online angenommen, die auch am Wochenende automatisch verarbeitet werden).

Systeme sind also nicht einfach „da“, sondern werden beständig „hergestellt“, damit es sie gibt. Ein System ist ein Prozeß und hat die Zeit als essentielle Dimension. Systeme gibt es nur in Zeitabschnitten.  Wenn man die Welt anhalten würde und durch sie wie in einem Museum hindurchgeht, würde man keine Systeme sehen, da die Interaktionen nicht sichtbar sind.

In diesem Sinne kann man sagen, dass Systeme wie Musik sind, sie sind Muster in der Zeit. Man kann sie nicht mit einem Blick erfassen, sondern muss ihnen zuhören, ihren Rythmus fühlen. Sie sind nicht starr, sondern dynamisch und sie sind niemals gleich, sondern immer wieder anders. In gewisser Weise haben sie Identität, aber sind niemals mit sich identisch. Man steigt nie zweimal in denselben Fluss und man sieht nie zweimal dasselbe System.

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