Grüne Lügen

Ich habe gerade die getAbstract-Zusammenfassung des Buches Grüne Lügen von Friedrich Schmidt-Bleek gelesen und sie bestätigt meine These, dass vernetztes Denken immer noch eine seltene Gattung im mentalen Kosmos der Menschheit ist. Die berechtigte Sorge um den Klimawandel scheint alle anderen Umweltprobleme in den Hintergrund zu drängen und sorgt dabei für eine widersinninge Entwicklung: weil CO2 scheinbar DIE Ursache für DAS Problem ist, werden alle Maßnahmen vor allem auf die Reduktion von CO2 ausgerichtet und andere Aspekte der Umweltverträglichkeit ausser acht gelassen:

Nur im Lichte der Konzentration auf CO2-Reduktion kann es passieren, dass

  • Atomenergie umweltfreundlich
  • Hybridautos besser als Benziner
  • Energieverbrauch allein zählt und nicht die Umweltkosten des gesamten Lebenszyklus eines Produktes

Wir brauchen jedoch eine Ressourcenwende, d.h. eine nachhaltige Form der Rohstoffverwertung, deren Bestandteil auch eine Energiewende ist, aber im richtigen Verhältnis. Eine Energiewende, die auf Kosten der Ressourcen eine scheinbar nachhaltige Entwicklung nur vortäuscht, nützt am Ende gar nichts.

Ein Elektroauto erzeugt zwar keine direkten Emissionen, aber auf die Entstehung und die Laufzeit gesehen kann es gut sein, dass noch mehr Ressourcen (Rohstoffe und Energie) verbraucht werden als ein Benziner. Ohne eine Messung dieses Gesamtwertes, den Schmidt-Bleek schon in den 90er Jahren entwickelt hat, kann man nicht bewerten, wie umweltverträglich ein Produkt wirklich ist. Dieser Wert heisst MIPS (= Material-Input pro Einheit Service) und misst den ökölogischen Rucksack, den ein Produkt mit sich trägt.

„Jede Tonne Steinkohle, die wir verfeuern, trägt einen Rucksack von 5 Tonnen Abraum und Wasser. Dazu kommen ca. 3,3 Tonnen Kohlendioxidemissionen, die im Verbrennungsprozess entstehen. Der ökologische Rucksack von Steinkohle ist also knapp 8,5-mal, der von Braunkohle sogar insgesamt zehnmal so schwer die Kohle selbst. MIPS ist – so Schmidt-Bleek – das bisher einzige Maß dafür, wie viel Nutzen aus einer bestimmten Menge Ressourcen gezogen wird.“
http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/schmidt_bleek_mips_konzept_971.htm

Der ökologische Rucksack von Hightech-Produkten ist ca. 70-mal größer, d.h. ein Kilo Smartphone verbraucht 70 Kilo Umwelt…

Wenn wir auf unserer Erde noch ein Weilchen wohnen wollen, sollten wir uns schleunugst überlegen, wie wir unseren Ressourcenverbrauch einschränken, am besten jedoch, ohne die Qualität einzuschränken. Wir könnten nämlich wahrscheinlich durchaus auf einem guten Standard leben, wenn wir unsere Effizienz verbessern und über bestimmte Gewohnheiten nachdenken.

Da wäre zuerst die Frage, ob wir viele Dinge, die wir haben, wirklich persönlich besitzen müssen, oder ob es uns eigentlich eher auf etwas ankommt, was diese Dinge vermitteln.

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